Als Geschenk gab’s viele Schafe

 


JUBILÄUM Das Gasthaus Schaaf feiert seinen 75. Geburtstag. Die Enkel der Gründer stehen heute hinterm Tresen.


Die kleine Kneipe in unserer Straße, da wo das Leben noch lebenswert ist, die kleine Kneipe . . .“ 75 Jahre alt ist sie an der Ritterstraße geworden. Das Gasthaus Schaaf feiert diese Woche sein Jubiläum.

1934 sattelten Grete und Fritz Schaaf, die Großeltern der heutigen Inhaber, von einem Lebensmittelhandel auf Gastronomie um. Sie kauften das freistehende Haus an der Ritterstraße. Zusammen mit der traditionsreichen Brauerei Beckmann entstand das Konzept, das bis heute seine Gültigkeit hat: Einen Treffpunkt für die unmittelbare Nachbarschaft zu schaffen, der „Südstadt“ von Dorp über Krahenhöhe bis nach Hästen ein Forum für den regen Austausch aller „Neuigkeiten“ und für Feiern aller Art zu bieten.

Um heute mit diesem Konzept zu überleben, bedarf es aber ganz anderer Anstrengungen, als das vor 75 Jahren nötig war, wie Mitinhaber Philipp Müller erklärt: „Wer sich in der Stadt aufmerksam umschaut, der wird feststellen, dass viele Eckkneipen geschlossen haben und die Gasträume in Wohnungen umgebaut wurden.“ Heute gebe es ganz andere Möglichkeiten, sich zu informieren, aber auch zu amüsieren als noch vor über 70 Jahren. „Für uns bedeutet das, dass wir uns immer wieder neue Ideen einfallen lassen.“ Eine wird heute Abend umgesetzt: „Wir wollen immer wieder ein anderes Publikum ansprechen und haben einen kölschen Abend mit der Gruppe Kolibri organisiert.“ Ihr wohl bekanntester Refrain: „Die Hände zum Himmel . . .“

Szegediner Gulasch gab’s bei der kleinen Jubiläumsfeier. „Das hat allen so gut geschmeckt, dass wir das jetzt in unser Catering-Programm aufnehmen“, sagt Philipp Müller. Die Idee, dass die Enkel das Gasthaus seit 1991 wieder für die Familie führen, hatte ihre Mutter, Dr. Doris Müller, die Tochter der Gastleute Schaaf. Die Tageblatt-Redakteurin hatte die Familientradition einst unterbrochen, um Theaterwissenschaften zu studieren. „Gemeinsam mit unserer Mutter hatten wir uns entschieden, die Gaststätte wieder selber zu führen und keinen Pächter mehr zu suchen.“

Die Auflösung einer Privatsammlung hat dem Gasthaus Schaaf vor etwa zehn Jahren Schafe beschert. „Die haben wir hier in allen Größen und aus den unterschiedlichsten Materialien“, sagt Philipp Müller. „Und wenn ein Schaf da ist, gesellen sich plötzlich ganz viele zur Herde.“ Es gebe aber auch immer wieder Schafe, die das Weite suchen würden. Neue Schafe gab’s auch zum Jubiläum. kc

 

 

Original-Link zum Solinger Tageblatt: http://www.solinger-tageblatt.de/Home/Solingen/Als-Geschenk-gabs-viele-Schafe-1d9ac0f8-3fca-47d4-a99b-08cdfd408500-ds

 

 

 

Solingen

Ein Gasthaus in der dritten Generation

VON PIA BERGMEISTER - zuletzt aktualisiert: 10.10.2009

Solingen (RP) Das Foto (unten) zeigt Grete und Fritz Schaaf. Die Eheleute stehen hinter dem Tresen ihrer eigenen Kneipe, dem "Gasthaus Schaaf". Herzlichkeit und viel Freude am Beruf sind auf diesem historischen Foto sofort zu erkennen. Es ist eines der wenigen, die den heutigen Besitzern des Gasthauses Schaaf erhalten geblieben sind. "Aber an der Idee, die unsere Großeltern vor 75 Jahren hatten, halten wir immer noch fest", betont Philipp Müller. Der 46-Jährige leitet das Gasthaus zusammen mit seinem 44-jährigen Bruder Felix.

"Die Gründung der Kneipe war eher eine Notlösung", weiß Philipp Müller. Im Jahr 1933 seien die Zeiten für seine Großeltern Grete und Fritz Schaaf alles andere als rosig gewesen. "Es gab aufgrund der Wirtschaftskrise kaum Arbeit, und die Menschen hatten kein Geld", erzählt er. Seine Großeltern besaßen damals ein Lebensmittelgeschäft. "Im Zuge der Krise mussten sie es aufgeben und sich nach einer Alternative umsehen." Die Räume auf der Ritterstraße 8, wo sich bis heute das Gasthaus befindet, kaufte das Ehepaar Schaaf auf Erbpachtbasis. Einst war darin eine Fleischerei untergebracht. Grete und Fritz Schaaf bauten um und eröffneten ihre eigene Kneipe.

"Das war ganz schön mutig, denn meine Großeltern hatten keinerlei Erfahrungen in der Gastronomie", sagt Philipp Müller. Doch ihre Geschäftsidee trug Früchte und das Gasthaus Schaaf wurde zu einer florierenden Nachbarschaftskneipe. "Solche Kneipen gab es damals in der Südstadt sehr häufig", so Müller.

Kneipe mit Musik-Tradition

 

Die Affinität für Kultur haben die Geschwister wohl von ihren Großeltern geerbt: Großvater Fritz Schaaf war nicht nur Mittelstürmer bei Tura Solingen, sondern spielte auch Geige im Orchesterverein. "Musik hatte in der Kneipe immer Tradition und oft wurde im Gesellschaftszimmer gemeinsam musiziert und der Chor probte." 1967, ein Jahr nach Fritz Schaafs Tod, gab die Großmutter das Gasthaus auf. 25 Jahre lang wurde es danach verpachtet.

Die Brüder Müller übernahmen die Kneipe 1992. "Auch wir hatten keine Ahnung von Gastronomie, aber viel Lust auf etwas Neues", erinnert sich Philipp Müller. Nach über dreimonatigen Renovierungsarbeiten erstrahlte das Gasthaus Schaaf in neuem Glanz. Viele Gäste, darunter zahlreiche Stammkunden, schätzen die dortige Atmosphäre.

Einen besonderen Ruf genießt das Solinger Gasthaus auch wegen der vielen intimen Konzerte oft international bekannter Künstler. Zwei bis drei Konzerte sind es derzeit in der Woche. "Der Eventbereich ist für uns immer wichtiger geworden und wir bieten alles von Pop über Blues, Rock und Jazz", sagt Philipp Müller. Er bezeichnet seine Kneipe stolz als "Markt der Möglichkeiten". Getreu der Tradition des Hauses feiern Felix und Philipp Müller das Jubiläum in den kommenden Wochen dann auch, indem sie besonders viele Konzerte anbieten.

 

Info

Musik im Schaaf

Am Montag (12.10) haben Felix und Philipp Müller lediglich Freunde und Stammgäste zu einer kleinen Jubiläumsfeier ins Gasthaus Schaaf eingeladen. Als Dankeschön für alle Gäste ist die neue Konzertreihe in der Traditionskneipe gedacht.

Donnerstags um 20 Uhr gibt es nun regelmäßig Konzerte. Es spielen immer nur Solisten und Duos. Der Eintritt ist frei, wer möchte, darf einen kleinen Beitrag in dem rumgereichten Hut werfen. Die Abende sind als entspannte Vorbereitung auf das Ende der Woche gedacht und enden bereits gegen 20 Uhr, damit auch Berufstätige gerne vorbeischauen. Genaue Informationen zu den einzelnen Konzerten gibt es unter www.schaaf-sg.de.

 

 

 

Original Link zur Solinger Morgenpost: http://www.rp-online.de/public/article/solingen/768292/Ein-Gasthaus-in-der-dritten-Generation.html

 

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